Schizophrenie Forschung

Ich war vor knapp einem Monat in der Ambulanz der LVR Klinik in Düren zum üblichen Check einmal im Quartal. Dort sah ich einen Aushang, dass Probanden für die Schizophrenie Forschung gesucht wurden. Die Uniklinik der RWTH Aachen und das Forschungszentrum Jülich gucken mit neuen Messmethoden in das Gehirn. Die Bezeichnung der Studie lautet: “Trimodale Bildgebung zur Untersuchung der Schizophrenie mittels simultaner EEG-MR-PET”, eine Messung mit 11C-ABP688-PET. Es wird nach Möglichkeiten gesucht, eine drohende Psychose besser und früher erkennen zu können. Die “Röhre”, die gleichzeitig EEG-MRT-PET aufzeichnen kann, ist besonders und nur an vier Orten in der Welt gibt es dazu die Möglichkeit. Es ist eine technische Herausforderung, da eigentlich der gleichzeitige Einsatz der Messmethoden sich physikalisch ausschließen. Neuartige Detektoren mussten entwickelt werden. Auch das EEG kann nicht, wie sonst so häufig eingesetzt mit metallischen Sensoren eingesetzt werden. Die Mühe lohnt sich, da neue Erkenntnisse gewonnen werden können, wenn die verschiedenen Informationen nun zeitlich synchron “übereinander” gelegt werden können. Für die forschenden Menschen ist dieses Zusammenspiel höchst Umfangreich, das Studium ist sehr anspruchsvoll. Für die Studie in diesem Fall werden verschiedene Messungen durchgeführt, an gesunden Menschen, Menschen mit leichten Symptomen und Leute, die erkrankt sind. Es gibt 9 Gruppen mit je 20 Probanden.  Es werden bestimmte Marker gesucht, GABA-ergenen System, Glutamat System und Zuckerstoffwechsel (Glucosestoffwechsel). Auf trimage.eu ist zu lesen, wo geforscht wird und wie der Schizophrenie neuartig entgegengewirkt wird.

Die Durchführung der Untersuchen fand sehr zeitig ab, zunächst wurden telefonisch einige Dinge abgefragt. Am ersten Testhalbtag war ich von 12:30 Uhr bis ca. 17:45 Uhr im Forschungszentrum Jülich beim Institut für Neurowissenschaften & Medizin 4 (INM-4). Ich war noch nie im Forschungszentrum, obwohl ich die meisten meiner 37 Lebensjahre im Kreis Düren verbracht habe. Ich habe zu verschiedenen Zeiten Leute kennengelernt, die dort arbeiten und weiß, dass coole Dinge dort gemacht werden. Das (Arbeits-) Umfeld scheint sehr gut zu sein und auch bei meinem Besuch traf ich auf freundliche und engagierte Menschen.
Also, am ersten Tag wurde die Neuropsychologische Untersuchung gemacht, ein Interview, mit kurzem Abriss aus meinem Leben, eine ganze Menge Fragen und Test für kognitive Fähigkeiten, Konzentration, Ausdauer u.s.w. Dinge, die ich schon mal früher in der Psychiatrie gemacht habe und was viele Leute kennen.
Ich hoffe, dass es weiter noch für Mensa e.V. reicht. :-))
Ich glaube, dass ich bei den Test schon ganz gut abgeschnitten habe. Es ist aber keine Prüfung, es gibt nichts zu bestehen und es kommt auch nicht irgendetwas mit schlechter Note zurück, was korrigiert und gelernt werden muss. Einfach dorthin gehen und machen, ok, es ist nicht verkehrt, ausgeschlafen zu sein. Die Prozedur war bekannt und ich habe entspannt mitgemacht. Es ist ein wenig wie spielen und mir macht so etwas Spaß, gerade weil es nichts zu verlieren gibt. Ich denke, dass mit dieser Einstellung ein relativ genaues Ergebnis entsteht und für die Forschung ist das wichtig.
Am Abend traf ich noch Freunde in Düren, doch ich war erst etwas aufgedreht und dann schlagartig Müde. Ich war früh zu hause und schlief sofort ein. Der Test hat das Gehirn ausreichend gefordert.

Am nächsten Tag war dann die eigentliche Messung. Ich war viel zu früh wach und eine Aufregung war nicht zu leugnen. An diesem Tag wurde ich per Taxi transportiert, ich wurde gegen 8:30 Uhr abgeholt und war etwa um 14 Uhr wieder zu hause. Die Abläufe waren gut erklärt, die Verkabelung brauchte einige Zeit. Bis 64 (63) EEG Sensoren angebracht und justiert sind, vergeht eine gewisse Zeit. Es wurde auch die Kopfgröße gemessen und es gab eine kleine Anekdote am Rande:

Für irgend etwas am Kopf zu messen, wurde ein etwas älteres Gerät benutzt und die Software dazu lief auf einem offline Win XP Laptop. Da stand Anmeldung auf dem Bildschirm, ab der Desktop erschien nicht. Während der Verkabelung, aber auch vom Gespräch am Vortag hatten wir uns etwas unterhalten, teilweise auch auf Englisch, da das Forschungszentrum international besetzt ist. Da nun bekannt war, das ich als Systemadministrator arbeite, wurde ich gefragt und mit der routinemäßigen Antwort, entweder Str-Alt-Entf oder Esc Taste lag ich genau richtig und der Desktop erschien. “I got this Job”. Und ich sagte, dass alte Systeme auch gut in virtuellen Maschinen laufen und damit älteres Equipment per seriellen Anschluss mit neuen Computern funktionieren. Eine kurzes Co-Working.  Da ich auch interessiert war, wie viel Daten da produziert werden, unterhielten wir uns auch dazu. Am Vortag war noch die Info, dass etwa 100 Gigabyte entstehen, am Messtag und die Infos von den Leuten am Gerät war dann, dass es etwa 10 Gigabyte sind, RAW Daten.  Da ja nur nach ganz bestimmten wenigen Markern gesucht wurde, kann erahnt werden, wie viel Daten ein ganzes Gehirn wären.

In wenigen Minuten Abständen wurde Blut abgenommen und zweimal musste die radioaktive Substanz in den Körper gelangen. Dazu sollte am rechten und linken Arm jeweils ein Zugang angebracht werden. Normalerweise und seit etlichen Jahren ist die quartalsmäßige Blutabnahme nie problematisch gewesen, doch für den Zugang musste ein Röhrchen eingeschoben werden. Die Venen waren getroffen, aber an beiden Armen wollten die Röhrchen nicht hinein. Meine Frage wurde bejahrt, dass unbewusste Aufregung den Körper in eine Art Schutzmodus versetzt und nun mein Körper so etwas wie “Schutzschilde hoch” machte. Ich hätte auch mehr trinken müssen. Auf dem Handrücken hatte es dann zum Glück geklappt. Dass zwei Leute auf beiden Seiten sich um das Blut kümmern ist etwas, was im Medizinalltag so nicht vorkommt.

Nun war ich präpariert es ging in die Röhre. Also es wurde der Körper entsprechend gesichert und positioniert. Der Kopf etwas fixiert. Soweit es ging mit Polstern sollte es angenehmer gemacht werden, ein Tuch oder eine Decke gabt es auch. Es musste einige Minuten gewartet werden, da die radioaktive chemische Substanz frisch hergestellt wurde. Mit einer Halbwertszeit von 20 Minuten sollte ein gewisses Timing eingehalten werden. Die Enge war kein Problem, eher das ruhig liegen bleiben. Nach einer Stunde war eine kurze Pause und der zweite Teil wurde ohne EEG und Blutzugang gemacht, nochmal 15 Minuten. Die letzte Viertelstunde des ersten Teils drückte dann am Hinterkopf die EEG Anschlüsse etwas unangenehm und auch Arme und Beine verkrampften immer wieder etwas. Ich war bemüht, mich zu entspannen. Als die Anschlüsse dann drückten, war es auch die längste Messung zusammen mit einem sehr krassen schnell piependen Ton, der etwas zu laut war. In diesem Moment war ich nicht in der Komfortzone. Ich war nicht entspannt. Einen Tag später sagte mit ein Mensch, dass vielleicht der Stress sogar für die Messung erwünscht war. Das kann dann schon sein und dass im Gehirn bei verschiedenen Zuständen verschieden Dinge passieren und auch sichtbar werden. Ich konnte bei Bedarf kommunizieren und mittels Sprechanlage konnten auch Instruktionen durchgegeben werden. Das Mikro der Zentrale war erst zu leise und bei der Pieptonsequenz war es dann zu laut eingestellt. Die meisten Messungen waren ohne diesen Ton. Ich sollte nur die Augen auf oder zu halten. Über einen Spiegel und mit einer Brille ohne Metall sah ich Mr Bean und Tierfilmaufnahmen ohne Ton. Die Messanlage hatte auch verschiedene Messmethoden, daher waren die Betriebsgeräusche unterschiedlich. Je nach dem rappelte auch die Anlage, es war dann zu spüren, dass Kräfte etwas bewegten. Es war etwas laut, auch mit Gehörschutz, aber im Großen und ganzen vergleichbar mit einer Industrieanlage, empfand ich nicht schlimm.

Irgendwann war alles schnell vorbei. Das Gel vom EEG konnte ich am Schluss in einer Dusche auswaschen. Irgendwie hatte ich rappel und da ich die Nacht kurz geschlafen hatte, den Vortag noch nachwirke, war ich ko. Mir wurde angeboten, meine Aufnahmen zu sehen. Ich lehnte ab. Ich bekomme per E-Mail eine 3d Sequenz, zur Erinnerung, die optisch gut aussieht, aber für die Wissenschaft eher uninteressant ist. Ob ich die Aufnahmen mir doch hätte angucken sollen und ob ich noch etwas interessantes über mich in Erfahrung hätte bringen können, diese Chance ist vertan. Aber ich gucke mich auch kaum im Spiegel an. Natürlich ist es nicht verkehrt, etwas über sich zu wissen. Manches aber vielleicht auch besser nicht. Hauptsache, die Wissenschaft kann mit den Daten arbeiten, ich hoffe, dass dieser kleine Beitrag von Nutzen sein wird.

Schizophrenie Forschung, moderne Messmethoden und hoffentlich kein psychotisches Verarbeiten

Als früher gelernter technischer Zeichner habe ich meine einfachen Gedanken gemacht. So eine Forschung kann im ungünstigsten Fall psychotisch verarbeitet werden, z.B. als Thema Braincopy.

Meine wage Vermutung ist, dass das Kopieren von Gehirndaten Jahrzehnte oder Jahrhunderte entfernt ist.  Die Kräfte, die die Vibration in der Anlage verursachten und die Vorstellung, wie fein die Gehirnstrukturen sind, lässt mich stark annehmen, dass möge es zwar die modernste Messanlage sein, diese dazu nicht ausreicht. Und das langsame Auslesen, als ob ein Leben nicht reichen würde, so langsam die Daten da raus zu bekommen. Vorher sterbe man eher an Verstrahlung, die nötig wäre.

Ganz klar, kein Gedanke, kein Wissen, keine Erinnerung kann so exportiert werden. Die EEG-MR-PET Messung war auf paar Marker reduziert, was ein Millionstel oder Milliardstel des Gehirns ausmacht. Das Gehirn funktioniert in Echtzeit, das Auslesen in Echtzeit nach mir, nach Jahrhunderten.

Aber wen die wenigen Informationen, die allein schon so kompliziert sind, reichen, psychotische Schübe aufhalten zu können, ist viel getan und ein subjektiv besseres Leben damit schon möglich.

Zur radioaktiven Substanz: Ich habe mal mit meiner Rechenkompetenz einen Überschlag gemacht. Ich habe zwei Jahresdosen Strahlung von der natürlichen Dosis in ca. 80 Minuten abbekommen. Das ist dann punktuell kurz das 15.000 fache. Durch die Halbwertzeit von 20 Minuten müsste spätestens nach 5 Stunden alles wieder absorbiert sein. Die Menschen in Tschernobyl, bzw. die 1000 Liquidatoren am ersten Tag haben die 1000 bis 10.000 fache Jahresdosis abbekommen. Das ist extrem viel Mehr. Meines Wissens wurden diese Menschen eine viertel Stunde am Reaktor eingesetzt, also punktuell das 50 Mio bis 500 Mio fache haben diese abbekommen.

Auf Strahlung sollte schon geachtet werden, allerdings weiß ich auch, dass das Leben ein klein wenig Strahlung zur Existenz benötigt.

Interessant noch, 1992 waren aus Moskau Menschen im damals noch Kernforschungszentrum Jülich zu Gast, die beruflich mit Kernkraft arbeiteten. Irgendwie ergab sich dann, dass es einen Schüler*innenaustausch zwischen dem Gymnasium am Wirteltor Düren und den Kindern der Eltern, die in Moskau mit Kernkraft arbeiteten zustande kam. Ich selbst hatte nicht teilgenommen, aber es haben Schüler*innen vom Wirteltor Menschen kennengelernt, die als Liquidatoren in Tschernobyl waren. Irgendwie klein die Welt mit ihren Menschen und Themen.

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